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Machst Du Dir Sorgen, dass Du in Deiner Abschlussarbeit versehentlich plagiieren könntest? Oder denkst Du eher „damit beschäftige ich mich später – schließlich habe ich genug andere Dinge zu tun“.

Zum Thema Plagiat wird gerne mal Angst verbreitet, aber musst Du Dich wirklich mit dem Thema befassen? Was kannst Du überhaupt konkret tun, um versehentliches Plagiat in Deiner Arbeit zu vermeiden? Und wie viel Zeit solltest Du dafür eigentlich einplanen?

Das Thema ist wichtig und es lohnt sich, Plagiatsprävention von Anfang an zu berücksichtigen. Die gute Nachricht ist: Alles, was Dir dabei hilft, Plagiat zu vermeiden, hilft Dir auch, eine bessere Arbeit zu schreiben. Du musst am Anfang einmal etwas mehr Zeit investieren statt munter darauf loszuschreiben, aber im weiteren Verlauf wird Dir das Schreiben leichter von der Hand gehen.

Was solltest Du also unbedingt beachten, um nicht nur versehentliches Plagiat zu vermeiden, sondern auch leichter eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit zu schreiben?

  1. Lies von Anfang an wissenschaftliche Originalquellen!
    Lehrbücher, populärwissenschaftliche Artikel oder Studienbriefe sind meist leichter lesbar als wissenschaftliche Zeitschriftenartikel und Fachbücher. Wenn Du nur solche Quellen liest, kannst Du
    allerdings keine eigene Perspektive auf Dein Thema entwickeln und läufst Gefahr, Dich beim Schreiben an diesen Sekundärquellen “entlangzuhangeln”. Eine richtig gute Arbeit kannst Du auf dieser Grundlage nicht schreiben und wenn Du dann noch irgendwo eine Quellenangabe vergisst, landest Du schnell in der Plagiatsfalle. Deshalb ist es unabdingbar, Dich in die Originalquellen reinzufuchsen, auch wenn das anfangs etwas mehr Zeit kostet.

  2. Entwickle eine spezifische wissenschaftliche Fragestellung!
    Um wirklich eine eigene Stimme zu finden und Deine Arbeit sinnvoll zu gliedern, brauchst Du unbedingt eine Fragestellung, aus der sich dann Dein roter Faden ergibt. Ein grobes Thema, zu dem Du dann einfach eine große Fülle an Informationen zusammenträgst, reicht nicht – auch nicht bei einer Literaturarbeit. Die Fragestellung einzugrenzen braucht Zeit und kann knifflig sein. Tausche Dich dazu mit anderen Studierenden aus und hole Dir Feedback von Deiner Betreuung. Und sei nicht enttäuscht, wenn die Rückmeldung dann lautet “Die Fragestellung ist noch zu breit – das wäre genug Stoff für eine Doktorarbeit”. Manchmal braucht es einfach mehrere Durchläufe, Feedback und Austausch, bis die Fragestellung spezifisch genug ist. Vielleicht fühlt es sich komisch an, am Anfang so viel Zeit in eine gute Fragestellung zu investieren. Aber es lohnt sich später wirklich.
    Hier findest Du meine Checkliste zur Erstellung einer wissenschaftlichen Fragestellung: https://christineheinen.com/2019/06/wie-formuliere-ich-eine-wissenschaftliche-fragestellung/


    Das Schreiben wird mit einer guten Fragestellung einfacher, weil Du automatisch eine Struktur hast: Du argumentierst am Anfang, warum die Fragestellung relevant ist und warum eine bestimmte Antwort auf die Fragestellung naheliegend ist (das ist Dein Theorieteil – dort geht es nämlich nicht darum, zufällig ausgewähltes Wissen rund um das Thema zusammenzutragen und dann wie aus dem Nichts Hypothesen zu präsentieren), warum Deine Methode geeignet ist, eine Antwort auf die Forschungsfrage zu bekommen, was die Ergebnisse zur Beantwortung beitragen (Ergebnisteil), was Deine Antwort ist und wie diese einzuordnen ist (Diskussionsteil). Und weil nur Deine Arbeit sich mit genau dieser spezifischen Frage beschäftigt, ist Deine Arbeit automatisch viel eigenständiger und Du gerätst nicht in Versuchung, Textstellen aus anderen Arbeiten zu übernehmen (oder mühselig umzuschreiben).

  3. Nutze andere Quellen nur, um Deine eigene Argumentation zu untermauern!
    Gib nicht nur die Schlussfolgerungen anderer Autor*innen wieder! Wenn irgendjemand etwas behauptet hat, ist das noch kein gutes Argument (auch nicht, wenn es sich um eine Koryphäe des Fachs handelt). Denn was ist dann, wenn jemand anderes das Gegenteil behauptet? Wer hat dann Recht? Schau Dir an, wie andere zu ihren Schlussfolgerungen gekommen sind. Kannst Du Dir so vielleicht erklären, warum zwei Artikel zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen? Fasse nicht nur zusammen, was irgendwelche wichtigen Leute über ein Thema geschrieben haben, sondern argumentiere, warum das aus Deiner Sicht richtig ist oder nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen. Natürlich gibst Du dazu dann die Quellen an, aus denen Du Deine Informationen beziehst.

XY hat etwas zu Deinem Thema geschrieben? Überlege dann, ob und warum das für Deine Argumentation relevant ist. Welche Aspekte aus XY Arbeit sind wichtig für Deinen roten Faden? Inwieweit stimmst Du den Aussagen überhaupt zu. Hilfreiche Daumenregel: Wenn sehr viele Sätze in Deiner Arbeit mit “Autorin A sagt…” anfangen, dann steht Deine eigene Argumentation noch nicht genug im Vordergrund. Überlege dann erst nochmal, was genau Du selbst sagen möchtest und wie Du andere Quellen als Belege oder Beispiele nutzen kannst.

  1. Definiere selbst, welche Fachbegriffe Du verwenden möchtest und bleibe dabei!
    In verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten werden oft unterschiedliche Begriffe für ähnliche Phänomene verwendet. Und umgekehrt wird ein und derselbe Begriff oft leicht unterschiedlich verwendet. Einheitliche Definitionen sind äußerst selten. Was viele Studierende dann machen: Einmal schreiben, dass es keine einheitliche Definition gibt und dann einfach immer unterschiedliche Begriffe aus anderen Quellen übernehmen. Das ist unpräzise und Deine Arbeit wirkt dann wie aus anderen Quellen zusammengeflickt.
    Was Du stattdessen tun solltest. Am Anfang einmal entscheiden, welchen Begriff Du verwendest und dann kurz definieren, was Du im Rahmen Deiner Arbeit darunter verstehst (unabhängig davon, ob der Begriff auch schonmal anders verwendet wird). Und dann konsequent bei Deinem Begriff bleiben, auch wenn Du Dich auf andere Quellen beziehst, die für dasselbe Phänomen einen anderen Begriff verwenden (außer natürlich bei wörtlichen Zitaten).

  2. Nutze die korrekte Zitierweise Deines Fachs!
    Die formalen Vorgaben erscheinen vielleicht manchmal kleinlich, sind aber wichtig, damit schnell und eindeutig ersichtlich ist, auf welche Quelle Du Dich an welcher Stelle beziehst und um welche Art von Quelle es sich handelt. Wenn im Literaturverzeichnis mal irgendwo ein Punkt fehlt, wird Dir deshalb niemand Plagiat vorwerfen. Aber es muss z. B. eindeutig erkennbar sein, ob es sich um ein Sekundärzitat handelt oder Du Dich auf die Originalquelle beziehst und alle Quellen sollten auf Basis Deiner Angaben ohne detektivische Schwerstarbeit auffindbar sein. Das geht am einfachsten, indem Du Dich an die Zitiervorgaben hältst.

 

Du siehst also – die Strategien zur Vermeidung von Plagiat tragen auch dazu bei, dass Deine Arbeit wissenschaftlicher und eigenständiger wird und dass Das Schreiben für Dich einfacher wird. Investiere also möglichst früh die nötige Zeit und Du musst Dir kurz vor der Abgabe keine Gedanken mehr um das Thema Plagiat machen.

Wenn Du eine gute und spezifische Fragestellung entwickelst, die Dir ermöglicht, eine wirklich eigenständige wissenschaftliche Arbeit zu schreiben und diese Tipps beherzigst, dann wird Dir die Angst vor Plagiat keine schlaflosen Nächte mehr bereiten.

Christine Heinen (Gastautorin)

Christine Heinen (Gastautorin)

Entspannt durch die Abschlussarbeit

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