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Gerade lese ich mehrere Bücher und Artikel zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Arbeit. Z.B. das Buch der Zeitredakteure Marc Brost und Heinrich Welfing mit dem Namen „Geht alles gar nicht“. Die Beiden haben auch einen Artikel zum Thema Vereinbarkeitslüge geschrieben, der sehr lesenswert ist!
Für mich fehlt da natürlich der Aspekt Studium, Weiterbildung oder Promotion, aber viele Aspekte treffen auch auf Studentinnen zu.

Ich mache mir aktuell sehr viele Gedanken über die Vereinbarkeit von Studium/Weiterbildung, Familie und Beruf. Ein großer Aspekt sind da ja: Multi-Tasking, Perfektionismus und der Anspruch, alles haben zu müssen und das nebeneinander bzw. sofort!🧐 Zur Verdeutlichung eine kleine Begebenheit, die ich öfters beobachte bzw. schon selber an mir beobachten durfte:
Frau studiert👩‍🎓, hat Kinder oder gerade schwanger, hat einen (Neben-)Job, ein Sozialleben, vielleicht sogar ein Ehrenamt und andere Hobbys. Ja, ganz schön viel, was da so an Aufgaben auf einen zukommt, oder? Und was passiert dann? Wir versuchen alles, aber wirklich alles, 100%-ig zu erledigen. Wir wollen eine Musterstudentin sein, die in Regelstudienzeit fertig wird. Wir wollen eine Vorzeigemutter werden, die wohlerzogene, optimal geförderte und zufriedene (saubere, normgerecht entwickelte, wenig fremdbetreute, etc.) Kinder👧 hat.Im Job müssen und wollen wir ebenfalls Höchstleistungen erreichen und Karriere machen. Unser Ehrenamt oder/und unsere Hobbys sind uns wichtig und wollen auch einen Platz in unserem Leben haben. Ach ja, einen Partner und Freunde haben wir auch, die erwarten entweder eine attraktive Partnerin oder emphatische und lustige Freundin zu sein.

Wie lösen wir dieses Dilemma? Indem wir uns aufreiben und aufarbeiten, wenig oder gar keine Zeit für uns und Entspannung lassen, Multi-Tasking versuchen und alles perfekt und zeitgleich zu erledigen. Oft ist es die Gesellschaft, Familie und Freunde, aber auch unserer eigener hoher Anspruch, der uns zu Burn-out gefährdeten Mütter mit Schuldgefühlen und wenig Energie werden lässt.

 

Geht es nur mir so oder fühlt ihr auch den Wahnsinn dahinter? Und die Unmöglichkeit dahinter allem und allen gerecht zu werden? In der Hinsicht existiert die Vereinbarkeitslüge schon! Aber was wäre die Lösung?

Meiner Meinung nach sind es folgende Punkte des flexiblen Zeitmanagements:
• weniger Perfektionismus, z.B. durch die Anwendung der Paretoregel
• Sachen /Aufgaben auch mal verschieben, also weniger Multi-Tasking macht
• Aufgaben nicht machen, delegieren oder ablehnen, z.B. indem man auch einmal Nein sagt!

 

Im Folgenden erkläre ich die folgenden Strategien, die ich empfehle, damit dein Studium oder Weiterbildung mit Kind entspannter und weniger anstrengend wird.

 Die Paretoregel:
Eigentlich heißt es tatsächlich Paretoprinzip bzw. 80/20-Regel. Es besagt ganz einfach, dass man mit 20 % des Aufwandes 80 % des Ergebnisses erreichen kann. So kann mit 20 % der eingesetzten Zeit 80 % der Aufgaben erledigen. Alles, was danach an Aufwand benötigt ist, um die restlichen 20 % der Aufgaben zu machen, ist sehr groß und unverhältnismäßig. Außerdem kann man auch sagen, dass man mit 80 % Zeiteinsatz nur 20 % des Ergebnisses schafft.
Für mich ist das Paretoprinzip die Aufforderung nur so viel in Projekt, Aufgabe oder To-Do zu investieren, dass man 80 % des Ergebnisses bekommt. Alles andere lohnt sich in den meisten Fällen nicht und lässt einen nur in Detailfragen, Wiederholungen und Fleißarbeit verirren. Natürlich gibt es Aufgaben, wo wirklich 100 % erforderlich sind. Aber wer von uns ist Chirurg oder Forscher, wo präzises und perfektionistisches Arbeiten vonnöten ist?

Stelle dir also die folgenden Fragen:
• Wo kannst du weniger perfektionistisch sein, ohne dass deine (Studien-)Ziele gefährdet sind?
• Wo reicht ein 80 % Ergebnis und wo nicht?
• Wo versuche ich nur die Ansprüche anderer zu erfüllen?
• Wer in meinem Umkreis benutzt die 80/20-Regel schon und sollte mein Vorbild sein?

Oder du versuchst das folgende Experiment:
• Nimm dir ein Projekt oder eine Aufgabe aus deinem Studium, z.B. ein Referat oder eine Seminararbeit, oder deinem Familienleben, z.B. das Putzen der Wohnung, und versuche ganz bewusst nur 20 % Aufwand dort hineinzustecken! Was passiert dann? Wie viel Zeit hast du mit der 80/20-Regel gespart? Ist es überhaupt jemanden aufgefallen, wenn die Wohnung z.B. nicht perfekt geputzt ist oder das Referat nicht das optimale Design hat?

 

Weniger Multi-Tasking:
Echtes Multi-Tasking ist nicht machbar! Natürlich ist es toll, wenn uns Frauen auch einmal positive Eigenschaften zugeordnet werden. Aber muss es direkt aus dem Reich der Legenden kommen, wie hier das Multi-Tasking?

Die Sendung Quarks hat es in ihrem Bericht sehr gut dargestellt und auch die körperlichen Vorgänge beschrieben. Kurz zusammengefasst heißt es, dass man nur Tätigkeiten, für die man nicht nachdenken muss, wie z.B. Laufen und Sprechen, gleichzeitig kann. Komplexere Tätigkeiten, wie z.B. eine Mail lesen und telefonieren, kannst du nur hintereinander machen und dann auch nur zwei Aufgaben gleichzeitig. Selbst wenn du versuchst, beides gleichzeitig zu machen, wirst du immer schnell von der einen zur anderen Aufgabe wechseln oder nicht richtig bei der Sache sein. Das ständige Wechseln verbraucht sehr viel Zeit und Energie. Außerdem wirst du mehr Fehler machen.
Neurobiologe und Autor Henning Beck sagt dazu: „Konzentriere dich auf eine Sache und mache sie richtig! Dann machst du auch weniger Fehler.“

Was heißt das nun für dich als Studentin oder Frau in Weiterbildung mit Kind? Plane deine Aufgaben so, dass du sie auch hintereinander machen kannst. Wenn nötig, auch in schneller Abfolge, aber besser noch so, dass du dich auch zwischendurch erholen kannst. Und wenn du doch mal zwei Dinge (fast) gleichzeitig machen muss, weil z.B. die Kinder zu Hause sind, dann rechne bitte ein, dass das Ergebnis nicht 100%ig wird. Wobei das ja nach Pareto auch nicht sein muss!

Kleines Experiment: Versuche einen Tag lang deine Aufgaben so zu planen, dass du nichts parallel machen musst. Beobachte auch, wie sich das für dich anfühlt. Ist das Ergebnis besser und fühlst du dich entspannter?

 

Ablehnen, auch einmal Nein-Sagen oder Delegieren:

Ja, das klingt jetzt so einfach: Lehne Aufgaben oder Projekte auch mal ab. Oder delegiere alles, was geht! Natürlich lernt man eine solche Einstellung nicht von Heute auf Morgen. Vor allem Frauen werden dazu erzogen  Ja zu sagen und brav zu sein. Nein sagen ist dann mit Schuldgefühlen und der Angst vor dem „Nicht-Gemocht-Werden“ verbunden. Dieses Muster zieht sich dann durch alle Lebensphasen und macht Abgrenzung oft sehr schwer. Natürlich werden Menschen, die viel helfen und sich nicht vor Arbeit scheuen, positiv angesehen. Zumindest denkst du das vielleicht. Es ist aber deutlich gesünder und besser für deine Planung und Organisation im Studium oder Weiterbildung mit Kind, wenn du auch mal Nein sagst oder jemand anderen die Aufgaben erledigen lässt, also delegierst.

Wenn du deine Aufgaben schon priorisierst, dann kennst du bestimmt die Eisenhower-Matrix.

 

 

 

 

Wichtig Unwichtig
Dringend Machen (zeitnah) Delegieren
Nicht dringend Verschieben und terminieren Löschen/ Canceln

 

Dort wird bei Aufgaben nur zwischen Dringlichkeit und Wichtigkeit unterschieden. Der letzte Quadrant z.B. beschreibt unwichtige und nicht dringliche Aufgaben, die einfach in den Papierkorb können und nicht erledigt werden sollen. Interessant ist aber auch die eiligen und unwichtigen Aufgaben oder Termine. Diese können gerne delegiert wichtigen und dadurch aus deinem Sichtfeld verschwinden. Ein Beispiel gefällig? Du möchtest deine Masterarbeit drucken und binden lassen. Die Aufgabe ist dringlich, muss aber nicht zwingend von dir erledigt werden. Eine Idee wäre z.B. die Datei mit der Masterarbeit in eine Druckerei oder Copyshop zu bringen und den Mitarbeitern die Arbeit zu überlassen. In der gesparten Stunde kannst du dann entweder entspannen oder etwas fürs Studium tun.

Nein sagen ist auch oft sinnvoll. Nein kannst du sagen zum Kuchenbacken in der Kita, dem aufwendigen Basteln für den Kindergeburtstag, dem freiwilligen Referat oder x-ten Wahlmodul, das du für den Abschluss überhaupt nicht brauchst.
Natürlich brauchen wir als Gesellschaft Freiwillige und Menschen im Ehrenamt. Du darfst auch weiterhin solche Ehrenämter ausüben, wenn sie dir sehr wichtig sind. Aber ob du immer das übernehmen musst, was z.B. andere Eltern KommilitonInnen nicht machen wollen, ist eine andere Frage. Du hast in deinem Leben zwischen Studium, Familie und Job so viel zu tun, dass du auch mal ablehnen musst. Du kannst nicht alles machen und erwarten tolle Ergebnisse zu bekommen und trotzdem am Ende des Tages genug Energie haben. Du musst dich entscheiden, was dir wichtig ist und was auch mal verschoben oder abgesagt werden darf!

Jetzt zum Gedankenexperiment:
Überlege dir jetzt, in welchen Situationen du Aufgaben löschen oder delegieren kannst. Wo könntest du öfters Nein sagen und wo fällt es dir noch sehr schwer? Was kann verschoben werden, weil es gerade nicht so dringlich ist?

 

Mein Fazit:
Es mag sein, dass es die Vereinbarkeitslüge wirklich gibt. Die Lüge besteht darin, dass uns weisgemacht gemacht wird, dass wir alles sofort und mit perfektem Ergebnis haben können.
Meiner Meinung nach, kann man ein Studium oder eine Weiterbildung mit Kind, Job und Hobbys durchaus machbar sein. Mit den drei Tools, die ich dir genannt habe, wird es auch einfach alles unter einen Hut zu bekommen.

 

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Blogpost viele Anregungen und Impulse für Unperfektionismus im Studium oder Weiterbildung mit Kind geben.
Wenn du persönlich mit mir sprechen möchtest und deine individuelle und stressarme Planung im Studium oder Weiterbildung erstellen willst, dann melde dich doch bei mir für ein kostenloses Impulsgespräch an. Benutze dafür gerne das Kontaktformular auf dieser Seite oder schreibe mir eine Mail an katrin(at)fernes-studium.de! Ich wünsche dir eine entspannte und unperfekte Woche im Studium oder Weiterbildung und deiner Familie!

 

Flexibles Zeitmanagement für Mütter in Studium und Weiterbildung-Infografik
Katrin Wczasek

Katrin Wczasek

Coach und Gründerin von Fernes Studium

Katrin unterstützt und coacht Mütter in Studium, Fernstudium, Weiterbildung und Promotion. Sie ist Expertin für flexibles Zeitmanagement und für Vereinbarkeit von Studium, Familie und Job.

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