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Was du über den Mutterschutz im Studium wissen solltest!

Je besser du dich über deine Rechte als schwangere, frisch gebackene oder stillende Studentin und speziell mit den Mutterschutzregelungen auskennst, desto besser. Daher habe ich für dich alle relevanten Regelungen des Mutterschutzes im Studium für dich recherchiert und hier zusammengefasst.

Ich möchte dich darauf hinweisen, dass dieser Artikel keine Rechtsberatung darstellt und auch keine Rechtsberatung ersetzen kann.

 

Was ist der Mutterschutz in Deutschland?

Das, was wir als Mutterschutz bezeichnen, ist ein Bündel an verschiedenen gesetzlichen Vorschriften zum Schutz von Mütter (und Kindern) vor und nach der Geburt. Ursprünglich wurde das Übereinkommen Nr. 103 über den Mutterschutz von 1952 veröffentlicht. Danach trat das Übereinkommen Nr. 183 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) 2002 in Kraft.

Offiziell heißt das Mutterschutzgesetz übrigens „Gesetz zum Schutz von Müttern bei der Arbeit, in der Ausbildung und im Studium (Mutterschutzgesetz – MuSchG)“. Nur damit du es mal gehört hast! 😉

Bis zum 1. Januar 2018 galt das Übereinkommen, also das Mutterschutzgesetz, nur für Frauen in einem unselbständigen Arbeitsverhältnis. Das heißt, dass nur Studentinnen, die in einem Beschäftigungsverhältnis waren, also eine Anstellung hatten, konnten sich auf die Mutterschutzgesetze berufen.

Seit Anfang 2018 und dank einer Überarbeitung des Mutterschutzgesetzes aber gelten die gesetzlichen Vorschriften auch für Schülerinnen, Studentinnen, Praktikantinnen in Deutschland.

 

Was bedeutet der Mutterschutz für Studentinnen?

Die Neuerung im Mutterschutzgesetz bedeutet, dass dir durch die Schwangerschaft und die Geburt bzw. durch die Zeit nach der Geburt keine Nachteile im Studium entstehen dürfen (Schutzfristen).

Es ist wichtig zu wissen, dass:

  • Dir keine Nachteile durch Prüfungstermine oder andere Pflichtveranstaltungen sechs Wochen vor errechneten Geburtstermin und acht Wochen nach Geburt entstehen dürfen.
  • Die Universität oder Hochschule aber Ausweichtermine oder Ersatzleistungen, wie eine Hausarbeit, verlangen kann.

Das ist aber von Universität zu Universität unterschiedlich. Du solltest also in jedem Fall mit deiner Prüfungskommission, ASTA oder anderen zuständigen Stelle der Universität, z. B. dem Studentenservice, sprechen.

  • Du aber die Schutzfrist vor der Geburt jederzeit umgehen und somit an Klausuren teilnehmen kannst. Das musst du aber schriftlich mit einer Erklärung tun. Du kannst die Erklärung jederzeit zukünftig widerrufen. (§ 3 Absatz 1, Mutterschutzgesetz).
  • Wenn du dich danach fühlst, du die Schutzfrist nach der Geburt umgehen kannst, in dem du gegenüber der Universität schriftlich erklärst, dass du dein Studium in dieser Zeit weiterführen möchtest. Auch diese Erklärung kannst du jederzeit für die Zukunft widerrufen. 

Die oben genannten Mutterschutzfristen nach der Geburt können sich auf zwölf Wochen verlängern, wenn du:

  • eine Frühgeburt hattest (aber nur wenn du es schriftlich beantragst). Eine Frühgeburt liegt übrigens vor, wenn dein Kind vor dem Mutterschutz geboren wurde. Dann verlängert sich die Mutterschutzfrist auf 12 Wochen + die Wochen, die du vor der Geburt nicht in Anspruch nehmen konntest. D.h. wenn dein Kind 7 Wochen vor errechnetem Geburtstermin geboren wird, bekommst du 12 Wochen plus 6 Woche=18 Wochen Mutterschutzfrist nach der Geburt.
  • eine Mehrlingsgeburt hattest, also Zwillinge, Drillinge oder mehr Kinder bekommen hast.
  • wenn vor Ablauf von acht Wochen nach der Entbindung bei dem Kind eine Behinderung im Sinne von § 2 Absatz 1 Satz 1 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch ärztlich festgestellt wird“ (§ 3 Absatz 2, Mutterschutzgesetz).
Du bist weiterhin auch eingeschränkt, was die Teilnahme Abendveranstaltungen im Studium angeht. Zwischen 22 Uhr und 6 Uhr darfst du auf keinen Fall an Veranstaltungen teilnehmen. Du darfst in der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr und an Sonn- und Feiertagen nicht tätig werden, wenn du schwanger bist oder stillst. Ausnahmen von der letzten Regel (20-22 Uhr-Veranstaltungen) gibt es nur, wenn:
  • Du dich ausdrücklich dazu bereit erklärst.

  • Die Teilnahme zu Studienzwecken zu dieser Zeit erforderlich ist.

    • Eine unverantwortbare Gefährdung für dich als Schwangere oder für dein Kind durch Alleinarbeit ist ausgeschlossen (§ 5 Absatz 1 und 2, Mutterschutzgesetz).                 

Studieren Würfel

 

Habe ich als schwangere, frischgebackene oder stillende Mutter auch Pflichten?

Oh ja, leider hast du als Mutter oder Schwangere auch Pflichten. Die sind in deinem Fall aber halb so schlimm, denn du musst lediglich:

  • Gemäß § 15 MuSchG deine Schwangerschaft und den Tag der Entbindung der Hochschule mitteilen, sobald du davon Kenntnis hast.

  • Der Hochschule unverzüglich mitteilen, dass du stillst

Der letzte Punkt könnte wichtig werden, wenn du während deiner Pflichtpraktika in einem Labor stehen musst, mit kranken Menschen umgehst oder mit anderen schädlichen Stoffen oder Krankheitserregern in Kontakt kommen könntest.

Die Universität muss für Arbeitsbedingungen sorgen, die für Mutter und Kind Gefährdungen für Leib und Seele möglichst vermieden werden und „eine unverantwortbare Gefährdung ausgeschlossen wird“ (§ 9 Absatz 2, Mutterschutzgesetz). Unter anderem muss es eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes geben und du musst die Gelegenheit zu Pausen und zum Füße hochlegen bekommen (§ 9 Absatz 3, Mutterschutzgesetz). Die Gefährdungsbeurteilung muss zeitnah, nachdem du die Schwangerschaft oder das Stillen deines Kindes angezeigt hast, durchgeführt werden (§ 10 Absatz 2, Mutterschutzgesetz).

 

Mutter KInd

 

Was ist das Mutterschaftsgeld und bekomme ich es als schwangere Studentin?

Jetzt habe ich eine schlechte Nachricht für dich: Du bekommst zwar als Studentin Elterngeld, aber leider kein Mutterschaftsgeld oder Mutterschutzlohn. Außer du bist irgendwo angestellt während der Schwangerschaft, z.B. in einem Nebenjob oder einem 450-Euro-Job, dann bekommst du Mutterschutzlohn.

Hier wird unterschieden zwischen Frauen, die:

1.) nicht selber bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, z.B. weil sie privat oder familienversichert sind, und angestellt oder geringfügig beschäftigt sind (Minijob).

2.) selber in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind und angestellt sind.

Im ersten Fall bekommst du 210 Euro/Monat Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt (https://www.bundesversicherungsamt.de/mutterschaftsgeld.html). Wenn du mehr als 390 Euro/Monat verdienst, dann bekommst du zusätzlich einen Arbeitgeberzuschuss. Der Zuschuss beläuft auf die Differenz zwischen 390 Euro und dem Nettolohn!

Tipp: Wenn du also verheiratet bist und dein Mann ebenfalls geringfügig beschäftigt ist, kann es vorteilhaft sein, wenn dein Mann bei dir familienversichert ist. So kannst du ein höheres Mutterschaftsgeld bekommen.

Im zweiten Fall bekommst du das Mutterschaftsgeld von deiner Krankenkasse. Die Höhe entspricht dem entfallenen Nettolohn, aber maximal 13 Euro/Monat.

Wenn du im Beschäftigungsverbot  während der Schwangerschaft bist, egal ob im 450 Euro-Job oder in einem normalen Job) wird der Lohn in gewohnter Höhe weitergezahlt. Das ist dann auch der Mutterschutzlohn!

 

Hat das Elterngeld etwas mit dem Mutterschutzgesetz oder dem Mutterschaftsgeld zu tun?

Nein, das Mutterschutz- wie auch das Mutterschaftsgeld sind durch das Mutterschutzgesetz geregelt. Das Elterngeld dagegen ist eine Lohnersatzleistung, die bei deiner lokalen Elterngeldstelle (Stadt oder Jugendamt) beantragt werden kann. Die Höhe beträgt in der Regel 67 % des Einkommens der letzten 12 Monate vor Geburt. Du bekommst aber mindestens 300 Euro, auch wenn du im Studium nicht erwerbstätig warst oder einen 450 Euro-Job hast, der die ein geringeres Elterngeld bescheren würde. Dazu kann es noch einen Geschwisterbonus geben und du hast die Chance die Höchstdauer des Elterngeldes durch die Partnermonate und das Elterngeld Plus zu verlängern ( § 1-4 Absatz 1, Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz). Als Alleinerziehende bekommst du übrigens die vollen 14 Monate des Elterngeldes!

Hierzu solltest du dich aber auf jeden Fall von der Elterngeldstelle deiner Stadt oder Gemeinde oder einer anderen Beratungsstelle, z.B. bei ProFamilia, beraten lassen.

 

Was sagt die Fernuniversität Hagen zum Thema Mutterschutz?

Frau Melanie Graf vom Familienservice der Fernuniversität in Hagen (NRW) schrieb mir folgende Mail zum Thema Mutterschutz an der Fernuniversität Hagen:

Schwangere Studentinnen können auch weiterhin an Abendveranstaltungen teilnehmen, wenn Sie sich dazu ausdrücklich bereit erklären. Gleiches gilt für Klausuren in der Mutterschutzfrist.

Zu Ausweichterminen etc. kann ich Ihnen leider keine Informationen geben, dazu können die jeweiligen Prüfungsämter besser Auskunft geben.

 In NRW sieht das Hochschulgesetz schon seit langem vor, dass Hochschulprüfungsordnungen insbesondere die Inanspruchnahme von Schutzbestimmungen entsprechend den §§ 3, 4, 6 und 8 des Mutterschutzgesetzes regeln müssen. Die FernUniversität in Hagen ermöglicht demzufolge Schwangeren (ab sechs Wochen vor dem Geburtstermin) und Studierenden mit Kind (unter einem Jahr) die weitere Teilnahme am Studium und an Prüfungen durch verschiedene Regelungen.

So können z.B. Klausuren und mündliche Prüfungen in Regional- und Studienzentren absolviert werden. Werdende Mütter (ab sechs Wochen vor Geburtstermin) und Studierende mit Kind unter einem Jahr können, gegen Vorlage einer aktuellen Bescheinigung des errechneten Entbindungstermins bzw. eines Nachweises über das Geburtsdatum, Klausuren oder mündliche Prüfungen in einem Regional- oder Studienzentrum absolvieren. Zudem ist es möglich von einem Vollzeit- in ein Teilzeitstudium zu wechseln oder sich für ein oder mehrere Semester (anstelle der Rückmeldung) beurlauben zu lassen, wenn die Durchführung des Studiums aufgrund einer Schwangerschaft oder der Betreuung eines Kindes nicht möglich ist.

 Zum 01.01.2018 findet bundesweit das Mutterschutzgesetz (MuSchG) auch auf Studentinnen Anwendung, soweit die Ausbildungsstelle Ort, Zeit und Ablauf der Ausbildungsveranstaltung verpflichtend vorgibt oder eine Studentin ein im Rahmen der hochschulischen Ausbildung verpflichtend vorgegebenes Praktikum ableistet (§ 1 Absatz 2 Nr. 8 MuSchG).

Da es an der FernUniversität in Hagen keine derartigen Pflichtveranstaltungen gibt, sind die Fernstudierenden von den Neuregelungen nicht betroffen.“

Jetzt wo du alles über den Mutterschutz im Studium weißt, kannst du deine Rechte vor und nach der Geburt besser einfordern.

Schreibe gerne in den Kommentaren, wenn du noch mehr Fragen hast oder von deinen Erfahrungen mit dem Mutterschutz im Studium erzählen willst.

 

Katrin Wczasek

Katrin Wczasek

Unterstützung und Beratung für Mütter im Studium und Fernstudium

Ich helfe Frauen und Müttern im Studium und Fernstudium. Wenn du noch Fragen hast oder Unterstützung brauchst, dann melde dich bei mir. Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg im Studium und eine ganz tolle Zeit mit deiner Familie!

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