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Mein Jahresrückblick bzw. Studienrückblick 2018- mal anders

Ich habe mir 2018 viele Blogs, Artikel und Videos zum Thema Fernstudium, Motivation, Zeitmanagement und Organisation durchgelesen bzw. angeschaut. Und eines ist mir aufgefallen: Niemand, außer ein paar ehrliche StudentInnen, erzählt, wie er oder sie gescheitert ist. Und niemand gibt gerne zu, dass er richtig dumme Fehler gemacht hat und wie sich dieser Tiefpunkt angefühlt hat. Kurzum, Scheitern scheint tabu zu sein und wird daher nicht thematisiert.
Ich habe mich dann aber gefragt, wieso bis 70 % der FernstudentInnen ihr Studium abbrechen? Es muss ja Gründe gegeben haben, wieso es mit dem Abschluss nicht geklappt hat. Es werden sich ja nicht Tausende von StudentInnen in ein Studium einschreiben, weil sie gerade Langeweile haben und es mal ausprobieren wollten. Möglich Gründe für ein Scheitern können massive Aufschieberitis sein, schlechtes Zeitmanagement und schlechte Vernetzung.

Ihr merkt schon, dass mich diese Schönfärberei ziemlich aufgeregt hat. Und ich ja nicht anderes gehandelt habe. Ich habe in meinen vorherigen Blogposts fast nie erzählt, wie ich mein Studium erlebt habe und welche Tiefpunkte ich hatte. Rundum: Es war Zeit, endlich von meinem Scheitern im Fernstudium zu erzählen. Gut, es ist kein wirklicher Jahresrückblick, sondern umfasst tatsächlich die ganzen sechs Jahre meines Studiums.

Die erste Zeit im Fernstudium

 

Voller Elan habe ich mein Fernstudium begonnen. Ich hatte ja mein Studium anfangs aus reinem Interesse an Umweltschutz und Nachhaltigkeit gestartet. Ich war natürlich begeistert, als ich mich in meiner Freizeit mit solchen Themen befassen durfte.

So schrieb ich mich für zwei Module ein und meldete mich schnell zum Einführungsseminar an. Auf diesem Seminar lernte ich einige nette KommilitonInnen kennen. Meine Motivation und Freude an diesem Studium stieg ins Unermessliche. Und da machte ich den ersten Fehler: Ich tauschte keinerlei Kontaktdaten aus und bleib so auch nicht in Kontakt. Ich verpasste tatsächlich die einzigartige Chance mir von Anfang ein Netzwerk aufzubauen.

Und das rächte sich recht schnell: Als meine ersten Einsendeaufgaben eine schlechte Note bekam, war ich am Boden zerstört. Nur mit wem sollte ich mich darüber austauschen? Mein Mann verstand die Aufregung nicht wirklich und andere StudentInnen kannte ich nicht.

Auch schaffte ich es in dieser Situation nicht, eindeutig zu klären, wieso ich diese schlechte Note bekam. Ich hätte in dieser Situation auf jeden Fall Kontakt mit der Dozentin aufnehmen sollen. Ich entschied aber nur mit ihren Kommentaren, die sie der Einsendeaufgabe belegte, weiterzumachen und mich zu verbessern. So bin ich grandios daran gescheitert, über meinen Schatten zu springen! Und glaubt mir: Scheitern macht kein Spaß. Es ist nervig bis schmerzhaft und hilft nur, wenn sich gründlich mit den Ursachen befasst.

Ja, ich hätte fast mein Studium beendet, wenn ich nicht so ein Dickkopf gewesen wäre und einfach weitergemacht hätte.

Tipp 1: Baue von Anfang ein Netzwerk mit KommilitonInnen oder anderen FernstudentInnen auf. Bleibe in Kontakt und tausche dich regelmäßig aus. Das kannst du natürlich auch in meiner Facebookgruppe tun!

Tipp 2: Frage immer nach, falls du eine Note ungerechtfertigt findest oder du genauer wissen möchtest, was du falsch gemacht hast. Deine DozentInnen sind schließlich dafür da und wollen dir auch meistens weiterhelfen.

Die Mitte meines Studiums

 

Mittlerweile war ich Mama eines entzückenden, aber auch fordernden, kleinen Jungen geworden. Und ich dachte eigentlich, wie schön es wäre mit dem Baby auf dem Arm und einer dampfenden Tasse Kaffee meine Studienunterlagen zu lesen. Aber Pustekuchen! Ich war ein halbes Jahr nicht in der Lage einen geraden Satz zu sagen oder zusammenhängende Gedanken zu haben. Und da ich keine Familie vor Ort hatte, konnte ich mein Baby auch nicht abgeben, um zu Lernen. Ich sah mein Scheitern und konnte es nicht verhindern.
Als der Kleine größer wurde, hatte ich mehr Freiheiten, um wieder Präsenzseminare zu besuchen. Was ich dann auch ausgiebig tat. Es war so schön, Nachts durchschlafen zu können und sich tagsüber über Nachhaltigkeitsthemen austauschen zu können. Dieses Mal knüpfte ich fleißig Kontakte und Visitenkarten und E-Mail-Adressen ein. Aber wieso bin ich nicht am Ball geblieben und habe mich nicht regelmäßig bei den Leuten gemeldet? Auf der einen Seite war es wohl Faulheit, Schüchternheit und vielleicht auch Aufschieberitis? Trotzdem blieb ich mit ein paar hartnäckigen KommilitonInnen in Kontakt und tauschte mich unregelmäßig aus. Ich war mal wieder die „Queen des Scheiterns“! Und ganz ehrlich an diesem Punkt wollte ich das Handtuch hinwerfen. Ich wollte mich exmatrikulieren und aufgeben. Nachdem ich aber mittlerweile auf Jobsuche gewesen bin, wollte ich die Zeit nutzen, um mich in einer anderen Branche zu etablieren.

Tipp Nr.3: Lernen und Studieren mit Baby ist kein Spaß. Wenn es die möglich ist, dann besorge dir einen Babysitter oder plane regelmäßig Besuche der Oma oder des Opas ein. Ansonsten musst du deinen Partner einspannen oder einfach ein Urlaubssemester einplanen.

Tipp Nr. 4: Pflege dein Netzwerk und bleibe am Ball. Melde ich regelmäßig mit einem Update und versuche den Leuten zu helfen. Denn wer Anderen hilft, der kann sich bei Problemen auch von seinem Netzwerk helfen lassen.

Das Ende des Studiums

 

Ja, hier habe ich einige Fehler gemacht. Aber ich habe auch einiges gelernt und besser gemacht als am Anfang des Studiums. Zumindest hatte ich es trotz vieler Fehler bis ans Ende des Studiums geschafft

Mittlerweile stand die Wahl des Themas der Masterarbeit an und ich musste mir zwei Betreuer suchen. Die Wahl des Themas fiel mir leicht, da ich mich dieses Mal bei einer Schreibberatung habe beraten lassen. Mithilfe der Beratung hatte ich innerhalb weniger Tage mein Thema und ein Kurzexposé verfasst. Als ich aber dieses Kurzexposé meinen potenziellen Betreuern vorgestellt hatte, scheiterte ich wieder. Meine Betreuer waren mit meinem Exposé nicht zufrieden und ich musste es mehrfach ändern. Ich ging wieder zu der Schreibberatung und ließ mir zeigen, wie man ein gutes Exposé verfasst. Und tatsächlich nach einigen Versionen (des Scheiterns ;-)) waren meine Betreuer zufrieden mit dem Ergebnis.

Während der Schreibphase meiner Masterarbeit wurde mir aber bewusst, wie einsam ich im Fernstudium bin. Ich fasste mir ein Herz und verfasste einen Aufruf zur Gründung einer Mastermindgruppe. Mit 5 anderen KommilitonInnen starteten wir und unterstützen uns in allen Phasen des Schreibens. Mein Mut zahlte sich aus und ich war bei jedem (Online-)Treffen erstaunt, wie gut wir uns unterstützten und weiterbrachten.

Leider machte ich in dieser Phase den Fehler, meine Betreuer nicht oft genug, um Feedback zu bitten. Meine Betreuer waren viel beschäftigte Männer und ich ließ mich auch gerne abwimmeln. Eigentlich wollte ich gar nicht wissen, was sie von meinen Schreibergüssen hielten. Das böse Erwachen kam aber, als ich nach Abgabe meiner Arbeit das Feedback bekam. Ich hatte einige wichtige Aspekte vergessen oder nur oberflächlich behandelt. Das wirkte sich natürlich auch an meiner Note aus. Hätte ich nur öfters Zwischenversionen meiner Arbeit von meinen Betreuern gegenlesen lassen, dann wäre das nicht passiert.
Meinen Abschluss habe ich dann doch noch gekriegt, wenn es auch nicht die Traumnote wurde.

Tipp Nr. 5: Gründe eine Mastermindgruppe oder ein Erfolgsteam. Nutze die Möglichkeiten, die du hast und tausche dich regelmäßig aus.

Tipp Nr. 6: Nimm deine Betreuer in die Pflicht. Fordere Feedback zu deiner Arbeit ein und telefonieren rede mit ihnen.

Tipp Nr.7: Scheitern gehört zum Leben dazu! Nimm es sportlich und mache weiter. Wenn du aus deinen Fehlern lernst, wirst du auch Erfolg haben. Worin auch immer dieser Erfolg bestehen mag!

 

Fazit

Scheitern gehört zum Fernstudium dazu. Es tut zwar oft weh und ist demotivierend, aber du kannst aus deinen Fehlern auch etwas lernen. Ich habe fast alle typischen Fehler einer FernstudentIn gemacht und habe trotzdem meine Master gemacht!
Ich finde, dass wir alle viel offener mit unserem Scheitern und unseren Fehlern umgehen sollten.
Wer sich ganz offen, aber im geschützten Rahmen, mit Anderen über sein Scheitern, aber auch seine Erfolge im Fernstudium, austauschen möchte, sollte Mitglied der Fernes Studium-Facebookgruppe werden.